Die Relevanz des Bauhauses

Bald schon würde es 100 Jahre alt werden, ist aber alles andere als altbacken: Das Bauhaus. Eine Kunst-, Design- und Architekturschule, die von Walter Gropius im Jahre 1919 in Weimar gegründet wurde. Ihr schlichter, schnörkelloser und einfacher Stil war damals eine gestalterische Revolution. Heute gelten viele Objekte und Möbel, die am Bauhaus entstanden sind, als wahre Klassiker und Ikonen. Besonders beachtlich bei seiner kurzen Lebensdauer von nur 14 Jahren - 1933 wurde die Schule bereits wieder geschlossen. 

"Volksbedarf statt Luxusbedarf"

Auch wenn die Bildungsstätte vor allem für ihre zweckgebundene Formgebung bekannt ist, hatte das Bauhaus weitreichende soziale Ambitionen: Ziel war es, gutes Design für jeden zugänglich zu machen. So erklärte Hannes Meyer, der zweite Direktor am Bauhaus, in der Schrift „Bauhaus und Gesellschaft“ aus dem Jahr 1929: „Als Gestalter ist unsere Tätigkeit gesellschaftsbedingt, und den Kreis unserer Aufgaben schlägt die Gesellschaft.“ Diese soziale Grundausrichtung war schließlich auch der Grund für das Ende des Bauhauses. Von den aufstrebenden Nationalsozialisten unter Druck gesetzt, musste das Bauhaus schließlich im Jahr 1933 seine Tore schließen.

Luxusbedarf statt Volksbedarf?

Entgegen dieser sozialen Ausrichtung, sind die Objekte, die zur Zeit des Bauhauses entstanden sind heute zu Designklassikern mutiert - und haben auch ein dementsprechendes Preisniveau. Wilhelm Wagenfelds Tischlampe WG 24, heute von Tecnolumen produziert, kostet beispielsweise um die 400€. Er entwarf sie im Alter von 24 Jahren nach einer Aufgabenstellung seines Meisters László Moholy-Nagy. Der dritte Direktor am Bauhaus - Ludwig Mies van der Rohe - entwarf den „Barcelona Chair“, der heute von Knoll International ab 6300€ zu erstehen ist. Es scheint so, als stände der ikonenhaften Kult des Bauhaues seiner eigentlichen Intention im Weg.

Bauhaus 2018

Dieser Design-Kult geht wohl auf die Radikalität der damaligen Entwürfe zurück. So hat das Bauhaus Design auch heute noch einen enormen Einfluss auf unsere Alltagsästhetik. Man denke nur an die Erfindung des Freischwingers, die auf Mart Stam zurückgeht oder den Einsatz von Stahlrohr, durch welchem Marcel Breuer die Möbelindustrie revolutionierte. Wie sehr die damaligen Gestaltungsprinzipien uns noch heute in Beschlag nehmen, zeigt ein einfaches Beispiel: Apple. Der Anfang des 20. Jahrhunderts kontrovers diskutierte Verzicht auf Verzierungen und Ornamentik, sowie die Zweckgebundenheit von Form und Material sind heute Kennzeichen der Markenästhetik der Apple Produkte. Auch Designgrößen wie der Deutsch-Serbe Konstantin Grcic hat sich bei seiner Möbelserie „Pipe“ von den Gestaltungsprinzipien des Bauhaus inspirieren lassen.

So steht das Bauhaus heute, 85 Jahre nach seiner Schließung, für zeitloses Design.